Meine Lebensader, der Shunt (Pflegetips und Ratschläge)
Dialysepatienten erkennt man häufig an ihrem Shuntarm, an den ausgeprägten Blutgefäße oder an massive Auswölbungen, den sog. Pseudo-Aneurysmen.
Wenn ich im Sommer ein kurzärmeligen Hemd oder Tshirt trage, bin ich schon häufiger von Leuten angesprochen worden, was ich denn am Arm habe, was das für Narben, oder was sind das für Beulen? Als junger Mensch erfand ich früher Stories und erzählte den Leuten, dass ich vom Pferd gefallen sei, dabei wäre mein Arm verletzt worden, oder dass ich bei einem Autounfall fast den Arm verloren hätte.
Heute bin ich nicht mehr so eitel, und ich erkläre den Leuten, dass ich Dialysepatient bin und die prallgefüllten Kunststoffblutgefäße mein Shunt ist. Meine Lebensader, die dazu dient, um an ein Dialysegerät angeschlossen zu werden, welches mein Blut reinigt.
Als langjähriger Dialysepatient achte ich besonders auf meinen Shunt.
Was schadet meiner Lebensader
Um die Lebensdauer eines Shunts zu begünstigen und zu verlängern, gibt es einige grundlegende Verhaltensweisen zu beachten. Ich kenne Mitbetroffene, die schon 30 Jahre ihren ersten Shunt punktieren, der noch nie thrombosiert oder ernsthaft entzündet war.
Auf Grund meiner eigenen Erfahrung und Kenntnis von erfahrenen Mitbetroffenen, möchte ich hier einige Tipps geben, wie man mit seinem Shunt umgehen sollte, bzw. dessen sorglichen Umgang.
Jeder Mensch hat unterschiedlich ausgebildetete Blutgefäßbahnen. Die einen sind prallgefüllt (bei Sportlern kann man häufig die Blutgefäße sehen), wieder bei anderen hat der Arzt schon Probleme bei der Blutabnahme. Diese Tatsache hat der Chirurg bei einer Anlage eines Shunts zu berücksichtigen und stellt ihn manchmal vor eine große Herausforderung.
Um eine Lebensader an die Dalyse anzuschließen zu können, muss vor der ersten Hämodialyse ein Shunt gelegt werden. Es werden meistens eine Arterie mit einer Vene im Unterarm, in der Nähe des Handgelenks, operativ kurz geschlossen. Durch diesen Kurzschluss, auch AV Fistel genannt, weiten sich die Gefäße nach einer Schonzeit aus und werden dadurch punktierbar. Um effektiv dialysieren zu können, braucht man einen Blutfluss von mindesten 200ml bis 300ml pro Minute. Gute Shunts können über 400 ml pro Minuten und mehr fördern. Man muss sich mal überlegen, wie häufig im Jahr in den Shunt gestochen wird. Bis 350 mal im Jahr ist keine Seltenheit. Der Shunt unterliegt damit ständiger Belastung und wenn man häufig Punktionsfehler macht oder lebenswichtige Regeln nicht beachtet, hat man nicht lange Freude an seiner Lebensader.
Ich werde mich mit den nachfolgenden Ratschläge auf die AV Fistel (subcutane Verbindung körpereigener Vene mit Arterie) und AV Fistel aus PTFE Prothesen (Implantat) beziehen.
Foto: Shunt (Operation:1999) von einem jungen Betroffenen.
Hier nun die folg. Ratschläge von mir und Betroffenen:
Bevor man einen Shunt gelegt bekommt:
Wenn der Shunt neu angelegt ist:
Wenn der Shunt punktiert wird:
Ein Tip von Betroffenenen:
Wenn die Punktionsnadel gezogen ist:
Ein Betroffener sagte einmal zu mir: Seinen Shunt sollte man behandeln wie ein rohes Ei!
Strengstens verboten:
Es gibt aber auch Warnsignale, auf die man achten soll:
Wenn man auf meine o.a. Punkte achtet, hat man länger an seiner Lebensader.
Foto: Shunt, (30 Jahre alt, eine Revision 2002, Selbstpunktion) von meinem Freund W. während der Hämodialyse (09/2003)
Nach fast 33 Jahren Dialyse und mindestens 20 Shunt-Operationen (in den ersten 10 Jahre 13 Ops) sehen meine Unter- und Oberarme nicht gerade schön aus.
Möglichst schnell lernen, den Shunt selbst zu punktieren. Die Statistik sagt, diese Shunts leben länger.