Frage von Martin Müller:

Welche Möglichkeiten hat der Dialysepatient selbst, dass sich sein neuer Shunt gut entwickelt? Gibt es ein spezielles Shunttraining? Wenn ja, sollte man dieses Shunttraining auch noch bei einem älteren Shunt machen?

Wieviel Zeit braucht ein neu angelegter Shunt (und PTFE Shunt) bis er punktierbar ist?

Ernst U. Metzler
Facharzt für Shuntchirurgie
und Leiter der Abteilung Nephrologisches Zentrum Shuntchirurgie Niedersachsen
in Hann-Münden

Vielen Dank für Ihr Interesse an dieser (lenbens-)wichtigen Materie.
Mit der Frage, wie die Patientin/der Patient selbst die Shuntentwicklung positiv unterstützen kann, werde ich fast täglich konfrontiert.
Leider kann ich jedem nur allgemeine Hinweise geben, denn ein direkt förderliches Verhalten gibt es nicht.
Wichtig ist, dass die operierte Extremität, meist der Arm, bis zur abgeschlossenen Wundheilung, also ca. 14 Tage, geschont wird. Auch wenn es sich meist äußerlich nur um kleine Wunden handelt, so liegt doch darunter eine Verbindung zwischen einer Schlagader und einer Vene, so dass es bei einer Überbeanspruchung zu Komplikationen, z.B. einer arteriellen Blutung kommen kann. In einigen Fällen mussten wir deshalb nachoperieren.

Von dem vielfach empfohlenen Shunttrainig würde ich eher abraten, weil wir auch dabei in etlichen Fällen Komplikationen (Nachblutungen und Shuntverschlüsse) erlebt haben. Nach meiner Überzeugung ist der pulsierende Blutdruck, der innen im Shunt herrscht, das Entscheidende, um die Shuntentwicklung in den ersten vier bis sechs Wochen zu befördern. Nach diesem Zeitraum ist eine weitere Shuntentwicklung selten zu beobachten, der Shunt kann dann aber durch geschickte Punktion weiter verbessert werden: wenn der gesamte Shunt gleichmäßig punktiert wird, kommt es meist sowohl zu einer Größenzunahme der Shuntvene als auch zu einer weiteren Annäherung der Shuntvene an die Haut, was die Punktionen erleichtert.

Ein Shunttraining beim älteren Shunt dürfte uneffektiv sein, weil beim älteren Shunt die Shuntvene eine so kräftige Venenwand entwickelt hat, dass durch bloßes Training eine Erweiterung des Shunts nicht vorstellbar ist. Allerdings besteht auch gerade hier die oben beschriebene Möglichkeit, den Shunt durch geschickte Punktionen zu verbessern , die Dialysefachkräfte sprechen vom "Aufpunktieren" und vom "Hochpunktieren".

Nach der Shuntanlage sollte man wenigstens zwei, eher drei Wochen bis zur Erstpunktion warten, damit ein Eigengefäßshunt einen ausreichenden Durchmesser und eine ausreichende gekräftigte Wand hat, bzw. ein Prothesenshunt fest genug mit dem umgebende Gewebe verwachsen ist. Wird ein Prothesenshunt zu früh punktiert, so kann es zu Blutungen in das Prothesenlager kommen. Auf jeden Fall sollte man einen Prothesenshunt so lange nicht punktieren, wie die operierte Extremität geschwollen ist. Diese Reaktion auf das künstliche Blutgefäß ("Perigraftreaktion") kann in Einzelfällen bis zu drei Monaten andauern.