Frage von Marius Menzer:

Alle Hämodialysepatienten bekommen geraten, wenn sie einen Shunt operiert bekommen und an die Dialyse müssen, dass man niemals am Shuntarm Blutdruck messen und niemals Blut abnehmen soll.

Mit dem Blutdruckmessen verstehe ich noch, aber das Verbot am Shunt Blut abzunehmen ist mir nicht ganz logisch.
Wenn man als Dialysepatient schon schlechte Blutgefäße hat, werden diese durch das häufige Blutabnehmen u. U. zerstört. Vielleicht werden gerade diese Gefäße später für einen Shunt benötigt?
Im Shunt Blut abzunehmen ist einfacher, aber durch den honen Druck auch wiederum gefährlicher.
Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Dr. med. Matthias Schneider
Chefarzt HELIOS Klinikum Erfurt
Gefäßzentrum - Abteilung Gefäßchirurgie

Die Blutdruckmessung sollte insbesondere nicht direkt auf dem Shunt erfolgen, da es doch durch einen sehr hohen Druck (260mmHg) zu einer Venenwandverletzung und Shuntverschluß kommen kann - zumindest theoretisch.
Das Risiko sollte man jedenfalls nicht eingehen.

Die einfache Blutabnahme am Shuntarm unterhalb des Shunts, z. B. an der Hand halte ich für völlig unproblematisch, jedoch muß eine Stauung der Venen vermieden werden (s. Blutdruckmessung). Bei Oberarmshunts kann durchaus auch am Unterarm Blut abgenommen werden.
Auf eine Verweilkanüleneinlage sollte allerdings unbedingt verzichtet werden, da es gerade bei Dialysepatienten rasch zu Infekten durch Hautbakterien kommen kann, was natürlich am Shuntarm selbst besonders zu vermeiden ist.

Gerade Infektionen bedeuten eine Gefahr für den Shunt und sollten vermieden werde.
Ebenso müssen, bei ja begrenzten Möglichkeiten der Shuntanlage mit eigenen Venen, alle noch evtl. möglichen und das heißt alle oberflächlichen etwas kräftigeren gerade verlaufenden Venen beider Arme geschont werden und dürfen nicht durch Verweilkanülen und Infekte zerstört werden.
Daher halte ich die Blutabnahme und Verweilkanüleneinlage bei Dialyse- und Prä-Dialysepatienten an den Händen, wenn auch vielleicht besonders unangenehm, für die günstigste Variante.